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2016


Inspi­riert von den Brücke-Künstlern haben Mit­glie­der des Kunst­raums ein Map­pen­werk mit Ori­gi­nal­gra­fi­ken erstellt. Wie bei den Künst­lern vor 100 Jah­ren ist die Land­schaft das ver­bin­den­de Ele­ment einer span­nen­den und abwechs­lungs­rei­chen Zusam­men­stel­lung. Der Gro­den, zwi­schen Wape­ler Siel und Gro­den­chaus­see, bie­tet in sei­ner Form als Nicht-Landschaft, einer Land­schaft, die eher als Durch­gang denn als Ziel genutzt wird, ein wei­tes Feld der künst­le­ri­schen Annäherung.

So hat Hel­mut Wahm­hoff die Tech­nik des Holz­schnitts gewählt, .um die Klar­heit des Gro­dens auf Flä­che, Linie und Struk­tur in Schwarz und Weiß zu erfas­sen. In wei­te­ren Schrit­ten kommt dann die Far­be wie­der zurück.

Eine wei­te­re klas­si­sche Druck­tech­nik nutzt Nor­bert Frie­be, indem er sei­ne gekonn­ten Zeich­nun­gen mit der Litho­gra­fie, dem Stein­druck, vervielfältigt.

Gun­nar S. Voigt und Mar­tin Otto nut­zen die Foto­gra­fie, um Uto­pien zu zei­gen, und ent­fer­nen sich so von der sicht­ba­ren Rea­li­tät hin zu einer Gefühls- und Gedan­ken­welt zwi­schen Hof­fen und Bangen.

Ähn­lich merk­wür­dig erschei­nen die ana­lo­gen Schwarz­weiß­auf­nah­men von Mat­thi­as Lan­ger, die die Zeit und das Ver­gan­ge­ne zei­gen. Die 15 Bil­der für die Map­pen sind an einem Tag im Abstand von fünf Minu­ten zwi­schen den Ein­zel­auf­nah­men ent­stan­den. Die Ver­än­de­rung zeigt sich nur am Son­nen­stand und den Schat­ten im Bild.

Bewe­gung ist auch in dem Video von Nor­bert Ahlers, des­sen Ani­ma­ti­ons­clips als essay­is­ti­sche Gedan­ken­split­ter die Zusam­men­stel­lung abrundet.

Ergänzt wur­de die Aus­stel­lung durch eine Raum­in­stal­la­ti­on, bei der von jedem Künst­ler reprä­sen­ta­ti­ve Arbei­ten ihres Schaf­fens in der soge­nann­ten Peters­bur­ger Hän­gung gezeigt wur­den —  wie eine Quellenangabe.


Ausstellung 22.10. — 4.12.2016

Die Fotografin Franziska Thomann

Das Team im Kunst­raum freu­te sich, dass eine jun­ge Künst­le­rin, die ihre Ideen im Fach­be­reich Kunst und Medi­en der Uni­ver­si­tät Olden­burg ent­wi­ckelt hat,  ihre Arbei­ten im Kunst­raum prä­sen­tier­te. Die Aus­stel­lung soll­te auch 


3.09. — 15.10.2016

Hasan Abbarah — Frieden aus dem Himmel

Der 33jährige stu­dier­te Maler, Kal­li­graph und Gra­fik­de­si­gner muss­te wegen sei­ner kri­ti­schen Äuße­run­gen über das Assad-Regime 2015 aus Syri­en flüch­ten. Die grau­sa­men Aus­wir­kun­gen von Krieg und Ter­ror und die Erleb­nis­se wäh­rend sei­ner Flucht bringt der jun­ge Künst­ler in sei­nen Wer­ken auf unter­schied­lichs­te Wei­se und in ver­stö­ren­den Bil­dern zum Ausdruck.

Dane­ben gibt er in sei­nen aktu­ells­ten Wer­ken sei­ner uner­schüt­ter­li­chen Hoff­nung und sei­ner Zuver­sicht Raum, dass es ein fried­li­ches Neben- und Mit­ein­an­der ver­schie­de­ner Reli­gio­nen, Haut­far­ben und Kul­tu­ren geben kann, die erst in ihrer Viel­falt den bun­ten Reich­tum alles Leben­di­gen die­ser Welt ausmachen.

Ergän­zend zu den Arbei­ten von Hasan Abba­rah zeig­te der Kunst­Raum Zoll­amt die Aus­stel­lung “Wir blei­ben trotz­dem! – Syre­rIn­nen erzäh­len von 5 Jah­ren zivi­lem Auf­stand“ von Adopt a Revo­lu­ti­on, einer deutsch-syrischen Initia­ti­ve aus Leip­zig. Die­se Grup­pe setzt sich für die zivil­ge­sell­schaft­li­chen Grup­pen in Syri­en ein, die sich vor Ort für ein offe­nes, eman­zi­pa­ti­ves und frei­es Syri­en ein­set­zen und deren Enga­ge­ment weit grö­ßer ist, als es die Kriegs­be­richt­erstat­tung in den gän­gi­gen Medi­en ver­mu­ten lässt. 


Mit­glie­der des Kunst­raum Zoll­amt zeig­ten die ers­ten Arbei­ten ihrer künst­le­ri­schen Annä­he­rung an die Gro­den­land­schaft. Der Gro­den, der vie­len als Selbst­ver­ständ­lich­keit erscheint, ist künst­le­risch weit schwie­ri­ger zu ver­ste­hen, als man es erwar­ten möch­te. Als Kul­tur­land­schaft sug­ge­riert der Gro­den die Illu­si­on von Wei­te. Tat­säch­lich han­delt es sich bei die­ser Land­schaft um eine sehr begrenz­te Res­sour­ce, die Genera­tio­nen dem Meer müh­sam abge­trotzt haben. Gewöhn­lich – so scheint es  – reizt beim Land­schafts­bild das Wie­der­erken­nen des Ver­trau­ten: etwa die Erin­ne­rung eines flüch­ti­gen Momen­tes, in der die eige­nen Gedan­ken davon­stür­men kön­nen und man sich selbst in einer stim­mi­gen Ruhe wie­der­fin­det. Je län­ger man aber auf die­se Land­schaft schaut, des­to mehr scheint sie sich einem zu ent­zie­hen. So war die Aus­stel­lung „Bil­der der Gro­den­land­schaft“ mit den Arbei­ten von Hel­mut Wahm­hoff, Gun­nar S. Voigt, Mar­tin Otto, Mat­thi­as Lan­ger, Nor­bert Frie­be und Nor­bert Ahlers unter ande­rem eine Vor­be­rei­tung zur geplan­ten Künst­ler­map­pe „Der Gro­den – eine ein­zig­ar­ti­ge Land­schaft in For­men der Reproduktion“.


Schüler zeigten Großstadt-Impressionen

Mit der Aus­stel­lung „Groß­stadt“ zeig­te der Kunst­raum Zoll­amt am Vare­ler Hafen erst­mals Wer­ke von Schü­lern. Die im Kunst­un­ter­richt ange­fer­tig­ten Arbei­ten waren in fünf Ober­stu­fen­kur­sen der Jahr­gän­ge 11 und 12 sowie in zwei Kur­sen des Jahr­gangs 10 am Lothar-Meyer-Gymnasium im Schul­jahr 2015/16 ent­stan­den. Zu sehen waren Gra­fi­ken und Male­rei­en zum The­ma Groß­stadt, das an allen höhe­ren Schu­len in Nie­der­sach­sen auf dem Lehr­plan stand.

Mit die­sem Pro­jekt möch­te der Kunst­raum Zoll­amt ein­mal im Jahr künst­le­ri­sche Erzeug­nis­se von jun­gen Men­schen einer grö­ße­ren Öffent­lich­keit über die Schul­ge­mein­de hin­aus vor­stel­len und jun­ges kunst­in­ter­es­sier­tes Publi­kum ein­la­den, am regio­na­len Kul­tur­be­trieb teilzunehmen.

Groß­stadt­er­fah­run­gen hat sicher jeder von uns schon gesam­melt, ob als Tou­rist oder als jun­ger Mensch wäh­rend der Aus­bil­dung oder des Stu­di­ums. Vor- und Nach­tei­le des Lebens in einer Groß­stadt las­sen sich schnell auf­zäh­len und auch abwä­gen. Bil­der von Groß­stadt – ob bewegt oder sta­tisch – prä­gen unse­re Vor­stel­lun­gen von Stadt und die rea­len Erfah­run­gen wer­den spä­ter mit die­sen Vor­stel­lun­gen abgeglichen.

Nicht zuletzt Bil­der des ame­ri­ka­ni­schen Rea­lis­ten Edward Hop­per, die auch von den Schü­lern des Lothar-Meyer-Gymnasiums betrach­tet und ana­ly­siert wor­den waren, the­ma­ti­sie­ren in vie­len Varia­tio­nen das Leben des ein­zel­nen Men­schen in der Stadt. Ins­be­son­de­re der Klas­si­ker „Night­hawks“ ist auf eine sol­che Situa­ti­on fokus­siert. Der Betrach­ter sieht von außen durch eine gro­ße Glas­flä­che den beleuch­te­ten Innen­raum und war­tet gespannt auf eine Regung der dar­in befind­li­chen vier Bild­fi­gu­ren. Die­ser Reiz des Fens­ter­blicks wur­de in den Kunst­kur­sen für die Schü­ler zum gemein­sa­men Rah­men­the­ma gemacht, um Aspek­te von Groß­stadt zu fassen.

18. Juni bis zum 31. Juli.


Ein Gedicht, viele Bilder

ich bin auch letzter

man­ches mei­ner stäm­me,
will es doch nicht bekla­gen.

geübt im aus­ster­ben,
bin ich müde
und will nicht mehr,
nie­man­des blut.

ich will euch,
tanzt um mich oder weicht mir aus,
helft uns, will ich tan­zen um euch.

So lau­tet das Gedicht, das der Kunst­raum Zoll­amt in das Zen­trum der Aus­ein­an­der­set­zung gestellt hat­te. Die Idee, ein Gedicht zu visua­li­sie­ren, es durch das unter­schied­li­che Ver­ste­hen in sei­ner Viel­falt zu ver­an­schau­li­chen, hat­te die Kunstraum-Mitglieder schon seit eini­ger Zeit beschäf­tigt. Schon die Aus­wahl des Gedich­tes war alles ande­re als ein­fach. Unab­hän­gig davon gab es eine Kon­tro­ver­se über den umstrit­te­nen Essay „Der letz­te Deut­sche“ von Botho Strauss. Die­ser Dis­put hat­te Chaim Wed­din­ger zu die­sem Gedicht pro­vo­ziert. Als nun bei einem Kunst­raum­tref­fen die­se Zei­len von Wed­din­ger vor­ge­stellt wur­den, waren allen Betei­lig­ten von dem Bekennt­nis „ich will euch, tanzt um mich oder weicht mir aus, helft uns, will ich tan­zen um euch“ stark beein­druckt, so dass der Kon­sens in der Grup­pe dann doch schnell gefun­den wur­de. Die Arbei­ten von Hel­mut Wahm­hoff, Mar­tin Otto, Nor­bert Frie­be, Gun­nar S.Voigt und Nor­bert Ahlers doku­men­tier­ten die­sen unge­wöhn­li­chen Dia­log zwi­schen den Kunstformen. 


Ausstellung Lea C. Lanfermann
Beginn 20.3.2016

Lea C. Lan­fer­mann, Künst­le­rin aus Mel­le, prä­sen­tier­te im Kunst­raum Zoll­amt am Vare­ler Hafen ihre Arbei­ten unter dem Titel „Meer­heits­fä­hig“. Es sind gera­de die abs­trak­ten Bil­der von Lan­fer­mann, die die Dyna­mik und die Inten­si­tät des Mee­res zum Aus­druck brin­gen. Varel hat­te die Künst­le­rin das ers­te Mal 2010 ken­nen­ge­lernt. Ein Ort, den sie sowohl im Son­nen­schein als auch im Dau­er­re­gen als sehr inspi­rie­rend erle­ben konn­te. Aber auf die­se Male­rei ist ihr Schaf­fen nicht zu redu­zie­ren. Viel­mehr ist es so viel­fäl­tig wie tech­nisch viel­ge­stal­tig. Lan­fer­mann nähert sich dem The­ma Meer nicht nur über Land­schafts­ma­le­rei, son­dern auch in Form ihrer Popart-Serie „Modern Pira­tes“ an. Ihre Male­rei zeigt sich in Bil­dern, die den abs­trak­ten Expres­sio­nis­mus zitie­ren, die sich aber auch in far­bi­ger Leich­tig­keit aus­zu­drü­cken ver­ste­hen. In Zusam­men­ar­beit mit der Künst­ler­ge­mein­schaft Kunst­raum Zoll­amt (vor­mals Kunst­raum Dan­gast) wur­de die Aus­stel­lung am 20.03.2016 in den Räu­men des ehe­ma­li­gen Zoll­amts am Vare­ler Hafen in Gegen­wart der Künst­le­rin eröff­net. Land­schafts­bil­der sind für den Kunst­raum ein immer wie­der­keh­ren­des The­ma: die Aus­ein­an­der­set­zung mit einem fra­gi­len Lebens­raum, der jahr­hun­der­te­lang durch die Gewalt des Mee­res gestal­tet wur­de und nun­mehr allein von den Men­schen defi­niert wird. Lan­fer­mann sucht hier nun eine Annä­he­rung sowohl an die unmit­tel­ba­re Land­schaft als auch an die Kli­schees, die mit dem Meer asso­zi­iert werden.