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Rückblick

« Der Mensch schuldet dem Kind das Beste, was er zu geben hat. »

(Aus der UN-Deklaration zum Schutz des Kindes)

“Hin­ter Mau­ern”, 2022
© Eri­ka Wagner

Eigent­lich hat­te schon im Jah­re 2021 gefei­ert wer­den sol­len, aber dann kam Coro­na und alle Pla­nun­gen waren obso­let. Im Som­mer 2022 war end­lich die Zeit gekom­men, dem inzwi­schen 351jährigen Bestehen des Vare­ler Wai­sen­stifts gebüh­ren­de Beach­tung zu schen­ken.
Am 24. Juni began­nen die Fest­lich­kei­ten mit einer Auf­takt­ver­an­stal­tung in der Schloss­kir­che und anschlie­ßen­dem offi­zi­el­len Akt in den Räum­lich­kei­ten des Waisenhauses.

Der Kunst­raum Varel e.V. freu­te sich, mit einer Aus­stel­lung sei­ner Mit­glie­der im Wai­sen­haus dabei sein zu dür­fen. Die Kunst­räu­mer hat­ten einen Satz aus der UN-Deklaration zum Schutz des Kin­des als gemein­sa­men Titel gewählt und setz­ten sich unter die­sem Mot­to in viel­fäl­ti­ger Wei­se mit His­to­rie und Gegen­wart des Hau­ses und dem Schick­sal von Wai­sen­kin­dern aus­ein­an­der. Wel­che Bedeu­tung dabei z.B. Rei­sig­be­sen, ein schwar­zes Schaf und eine Tisch­ten­nis­plat­te haben und was eine Frot­ta­ge ist, erfuh­ren die Besu­cher in der Aus­stel­lung durch Instal­la­tio­nen, Objek­te, Foto­gra­fien, in Holz­schnitt, Krei­de, Öl und Stein.

Vie­le (Ehren-)Gäste, die am 24. Juni aus Anlass der Fest­ver­an­stal­tung den Weg in die Aus­stel­lung fan­den, nah­men sich die Zeit zu einer aus­gie­bi­gen Aus­ein­an­der­set­zung mit den Arbei­ten. Über den Besuch von Ehe­ma­li­gen, die zum Teil auch aus eige­nen Erin­ne­run­gen berich­te­ten, freu­ten sich die Kunst­räu­mer beson­ders, eben­so wie über den von jet­zi­gen Bewoh­nern des Waisenhauses.

Um allen, die es nicht ins Wai­sen­stift geschafft hat­ten (und sol­chen, die die Arbei­ten gern noch ein zwei­tes Mal sehen woll­ten), Gele­gen­heit zu geben, die Aus­stel­lung auch noch nach dem Ende der Fest­wo­che zu besu­chen, zog sie am 30.6. in die Räu­me der Kunst­werk Gale­rie um und war dort wei­te­re zwei Wochen für die Öffent­lich­keit zugänglich.

In die­ser Zeit gab es auch einen Abend mit einem sehr inter­es­san­ten, per­sön­li­chen Vor­trag von Julia Hamels über ihre Erfah­run­gen und Erkennt­nis­se aus der Arbeit in einem Wai­sen­haus in Kenia.


„Jes+us“, Schü­ler­ar­beit von Riek­je R., Jahrg. 11, 2022, Deck­far­ben auf Lein­wand, Goldfolie

Was ist echt, was ist fake? Wie sehen mich ande­re und wie füh­le ich mich wirk­lich? Was wird von mir erwar­tet? Gibt es Gott und wenn ja, wie vie­le?
Die­se und ähn­li­che Fra­gen stell­ten sich Schü­le­rin­nen und Schü­ler aus ver­schie­de­nen Jahr­gän­gen am Lothar-Meyer-Gymnasium Varel. Im Kunst­un­ter­richt such­ten und fan­den sie Aus­drucks­mög­lich­kei­ten für ihre Gedan­ken und Gefühle.

Zusam­men­ge­fasst wur­den die­se Wer­ke zu einer Aus­stel­lung unter dem Titel Schein&Sein, die ab dem 18.3.2022 im Kunst­werk Varel in der Neu­müh­len­stra­ße 10 zu sehen war. Der Kunst­raum Varel e.V. hat dort in der Gale­rie Kunstwerk-Art Gal­le­ry eine neue Blei­be gefunden.

Aus­gangs­punkt für die Lern­grup­pen des 12. und 13. Jahr­gangs waren die soge­nann­ten Augentäuscher-Stillleben des Barock, die dem Zuschau­er greif­ba­re Rea­li­tät vor­täu­schen, ihm aber bei nähe­rer Betrach­tung nur eine per­fek­te illu­sio­nis­ti­sche Male­rei bie­ten. Die­ser Bild­be­trug war eine sehr belieb­te Spiel­art inner­halb der Gat­tung Still­le­ben, die im 17. Jahr­hun­dert eine Blü­te­zeit erleb­te und sowohl zur intel­lek­tu­el­len Erbau­ung als auch zur Unter­hal­tung dien­te. Es war außer­dem ein Vor­zei­ge­bei­spiel für die Maler, um ihre künst­le­ri­schen und hand­werk­li­chen Fähig­kei­ten zu demons­trie­ren. Ein belieb­tes Motiv für die­se Gat­tung Still­le­ben waren gemal­te Steck­bret­ter, die ver­gleich­bar sind mit unse­ren heu­ti­gen Pin-Wänden.

Schü­le­rin­nen und Schü­ler aus zwei Klas­sen des 11. Jahr­gan­ges fer­tig­ten im Kunst­un­ter­richt Iko­nen­ma­le­rei­en an und hin­ter­frag­ten die­ses sehr alte Sujet der Kunst­ge­schich­te. Hier­bei gerie­ten die klas­si­schen En-face-Darstellungen von Jesus durch­aus auch zu Por­träts, die mehr Ähn­lich­kei­ten mit einem Rap­per als mit Got­tes Sohn haben. In ande­ren Bild­lö­sun­gen zu die­sem The­ma ist Gott weiblich.

Das Aus­stel­lungs­the­ma Schein&Sein war zudem auch expli­zit Gegen­stand einer Werk­statt­ar­beit in zwei Ober­stu­fen­kur­sen auf erhöh­tem Niveau (C. Peu­kert und H. Wahm­hoff). In die­sem Auf­ga­ben­for­mat sind die Schü­le­rin­nen und Schü­ler voll­kom­men frei in der inhalt­li­chen Aus­rich­tung und Dar­stel­lungs­form ihrer Arbeit. So konn­ten schließ­lich die anfangs ange­führ­ten Fra­gen gestellt, künst­le­risch bear­bei­tet und evtl. beant­wor­tet wer­den.
Nicht zuletzt dadurch ergab sich eine außer­or­dent­li­che Band­brei­te an Aus­drucks­for­men und Tech­ni­ken, die in der Aus­stel­lung zu sehen waren. Vor­zu­fin­den waren Male­rei­en mit Deck­far­ben und Acryl, Foto­col­la­gen, Assem­bla­gen, Plas­ti­ken und auch Film.


Eine Übersicht über Aktivitäten des Kunstraum Varel aus den vergangenen Jahren finden Sie hier: